Wettschein für heute in der Schweiz – nur zwei Veranstalter, klare Regeln
Datenstand: 29. Oktober 2026, geprüft anhand der Vorschriften der Gespa, der Spielregeln von Sporttip und des Reglements von Jouez Sport.

Wer heute in der Schweiz einen Wettschein ausfüllen will, greift in ein Regal mit zwei Fächern. Nicht weil die Nachfrage fehlt, sondern weil ein Gesetz die Zahl der Veranstalter von Lotterien und Sportwetten auf zwei begrenzt hat. Alles, was darüber hinaus auf dem Bildschirm auftaucht, ist damit nicht Konkurrenz, sondern etwas anderes: ein Anbieter ohne Schweizer Bewilligung.
Diese Enge ist der erste Kostenposten, bevor überhaupt ein Einsatz fällt. Wer sich über eine Quote ärgert, kann nicht zur nächsten Buchmacherin wechseln. Er kann nur entscheiden, ob er zu dieser Quote überhaupt setzt.
Warum ein Wettschein in der Schweiz ohne Bewilligung nicht existiert
Online-Sportwetten sind ein Grossspiel nach dem Geldspielgesetz (BGS, SR 935.51), in Kraft seit dem 1. Januar 2019. Die Aufsicht führt die Gespa, die Interkantonale Geldspielaufsicht mit Sitz in Bern, gestützt auf das Geldspielkonkordat, das seit dem 1. Januar 2021 gilt. Wer die ESBK für die Schweizer Wettbehörde hält, verwechselt zwei Zuständigkeiten: Diese Aufsicht betreut Casinos, und nur die.

Eine Bewilligung besteht aus zwei Teilen, einer Veranstalterbewilligung und einer Bewilligung pro Spiel, geregelt in den Artikeln 21 bis 25 BGS. Der Satz, der die ganze Landschaft erklärt, steht in Artikel 4 BGS: Eine solche Bewilligung gilt nur in der Schweiz. Sie reist nicht mit, sie wirkt nicht über die Grenze, und sie verleiht einem Anbieter ausserhalb des Landes keinerlei Ansehen.
Die zwei Veranstalter, die es gibt:
- Swisslos mit dem Produkt Sporttip, Sitz in Basel, tätig gestützt auf die Interkantonale Vereinbarung über die gemeinsame Durchführung von Geldspielen vom 20. Mai 2019.
- Loterie Romande mit dem Produkt Jouez Sport, Société de la Loterie de la Suisse Romande, Kontaktadresse Avenue de Provence 14 in 1001 Lausanne, mit 2’350 Verkaufsstellen in der Westschweiz und 221 Mitarbeitenden.
Mehr führt die Gespa nicht. Die Behörde publiziert keine Liste weiterer bewilligter Buchmacher, weil es keine gibt; sie publiziert die Sperrliste jener ausländischen Domains, die Schweizer Telekom-Anbieter per DNS blockieren.
Der Fehlbetrag an Auswahl lässt sich in einem Satz beziffern: Es gibt keinen Preiswettbewerb, an dem ein Spieler teilnehmen könnte. Dass die Erträge gemeinnützigen Zwecken in den Kantonen zufliessen (Artikel 125 BGS), ist ein Argument für das System, nicht für den einzelnen Schein. Die Marge zahlt der Spieler in beiden Fällen.
Was eine Schweizer Bewilligung auf dem Schein zulässt
Die Bewilligung erlaubt nicht alles, was ein ausländisches Portal anbietet. Der Inhalt eines zulässigen Wettscheins ist eine geschlossene Liste: die Gespa-Liste der bewilligten Sportarten, Wettkämpfe und Wettarten in der Fassung vom 10. September 2026, gestützt auf Artikel 25 BGS und Artikel 29 VGS.

Enger, als die meisten annehmen: Qualifikationsrunden erscheinen nur, wenn sie ausdrücklich aufgeführt sind; Frauenwettbewerbe ebenso. Ranglistenwetten sind zulässig, wenn die Rangierung über die Teilnahme an einem internationalen Wettkampf oder über das Podest entscheidet. Auf Trainingsläufe darf nie gesetzt werden. Corner- und Kartenmärkte fehlen, eine Esport-Sektion fehlt ebenfalls – Esport taucht in der Liste nicht auf. Veranstaltungen, an denen überwiegend Minderjährige teilnehmen, sind gesperrt (Artikel 25 Absatz 2 BGS).
Livewetten sind erlaubt, vor dem Spiel und während des Spiels, sofern der Veranstalter die entsprechende Entscheidung besitzt. Das BGS beschränkt sie nicht auf bestimmte Live-Märkte. Wer ein Spiel in der zweiten Halbzeit noch drehen will, darf das bei den zwei Schweizer Veranstaltern.
Cash-Out regelt das Gesetz nicht. Beschrieben wird es deshalb als das, was es ist: eine Funktion des jeweiligen Veranstalters, mit den Bedingungen, die dieser setzt. Wer sie nutzt, sollte den angebotenen Betrag gegen den rechnerischen Restwert seines Scheins halten; in der Differenz steckt der Preis des Ausstiegs.
Zu den virtuellen Sportarten steht rechtlich nichts fest. Zu esports steht fest, dass sie nicht in der Gespa-Liste erscheinen.
Ein Detail, das schon manchen Schein entschieden hat: Bei Sporttip umfasst die reguläre Spielzeit die reguläre Spieldauer – beim Fussball etwa 90 Minuten – plus Nachspielzeit. Verlängerung und Penaltyschiessen zählen nur, wenn das Wettprogramm darauf hinweist oder sie Gegenstand der Wette sind. Wer im Cup auf den Sieger nach 90 Minuten setzt, hat nach 120 Minuten nichts gewonnen.
Ebenso wenig sichtbar: Abhängige Wettereignisse derselben Sportveranstaltung lassen sich bei Sporttip nur über die Bet-Builder-Funktion kombinieren. Nimmt Swisslos eine solche Kombination irrtümlich ohne diese Funktion an, kann sie die ganze Kombinationswette für ungültig erklären und den Einsatz zurückerstatten. Der Einsatz kommt zurück, der Gewinn nicht.
Die Limiten stehen, bevor der erste Einsatz fällt
Spielerschutz ist in der Schweiz keine Broschüre, die man weglegt. Sie ist eine Kontoeinstellung, die vor der ersten Wette gesetzt sein muss.
Wer bei Sporttip zum ersten Mal teilnehmen will, muss vorher Verlustlimiten für 1, 7 und 30 Tage setzen. Die Oberlimite beträgt CHF 9’999, für Personen unter 21 Jahren CHF 1’000. Eine Senkung gilt sofort. Eine Erhöhung wirkt erst nach 72 Stunden. Zusätzlich ist eine freiwillige Einzahlungslimite für jeweils 30 Tage möglich.
Die 72 Stunden sind keine Schikane, sondern der eigentliche Mechanismus. Wer nach einer schlechten Nacht verdoppeln will, muss die nächste Nacht abwarten. Verloren geht dabei nur die Geduld.
Dazu kommt die Spielsperre. Bei Swisslos lässt sich der Zugang produktbezogen für 1 bis 180 Tage sperren, ohne Aufhebung vor Fristablauf. Eine unbefristete Spielsperre wird in ein schweizweites Register eingetragen und gilt auch für Casinos einschliesslich Online-Casinos sowie im Fürstentum Liechtenstein. Das Register ist die einzige Sperre, die nicht umgangen wird, indem man die Sportart wechselt.
Was ein Wettschein für heute wert sein kann, hängt damit weniger an der Quote als an der Zahl, die man selbst in das Feld eingetragen hat. Eine Zahl, die dagegen oft falsch wiederholt wird: Ein festgeschriebenes Einzahlungsmaximum kennt das Schweizer Recht nicht.
Eine unangenehme Randnotiz gehört hierher, weil sie das Bild vom strengen Kontrollnetz trübt. Die Gespa führte 2025 Testkäufe durch; an Verkaufsstellen wurde in 47,5 % von 200 Fällen eine Sportwette an eine minderjährige Person verkauft. Der Schutz am Schalter ist nicht so dicht, wie das Reglement aussieht. Am Online-Punkt ist er es, weil dort der Ausweis ausgelesen wird.
Die Verlustlimite selbst setzen: der unbequeme Teil
Eine selbst gesetzte Grenze kann man auch falsch setzen. Wer im Monat CHF 200 für Wetten vorsieht und beim ersten Anmelden bereitwillig CHF 9’999 einträgt, hat eine Formalie erledigt und keine Grenze gezogen.
Die Reihenfolge, die vor jedem ausgefüllten Schein steht:
- Die Tageslimite bekommt den Betrag, dessen Verlust die Monatsrechnung unberührt lässt.
- Die Wochenlimite darf höher liegen, solange die Summe der Tage keine Fiktion wird.
- Die 30-Tage-Grenze ist die einzige Zahl, die einen echten Vergleich mit anderen Ausgaben aushält.
Senken lässt sich die Limite sofort. Nach oben korrigieren lässt sie sich erst nach Ablauf der Frist. Diese Schieflage arbeitet für den, der überlegt handelt, und gegen den, der in einer Verlustphase nachbessern will.
Wer bei einem Anbieter ohne Schweizer Bewilligung spielt, hat diese Frist nicht – und damit auch keine Bremse, die von aussen eingebaut ist. Ein Konto ohne Limite ist kein Konto, sondern eine offene Tür.
Wie aus Statistik, Formkurve und Quote eine Einschätzung wird
Ein Wettschein ist eine Einschätzung, keine Ahnung. Sie stützt sich auf vier Zutaten, und alle vier sind unvollständig.
Statistik. Historische Daten sagen nicht, was heute passiert. Sie sagen, wie oft ein vergleichbarer Fall eingetreten ist. Wer Häufigkeit für Notwendigkeit hält, hat bereits verloren, ohne gesetzt zu haben.
Formkurve. Die letzten Wochen sind der aktuellste Hinweis, den ein normaler Betrachter hat, und der am meisten überinterpretierte. Fünf Spiele sind eine Stichprobe, kein Charakterzeugnis.
Verletzungen. Ein fehlender Schlüsselspieler verschiebt eine Einschätzung oft stärker als jede Statistik, und die Information liegt in der Regel längst in der Quote.
Quote. Die Quote ist die einzige Zahl auf dem Schein, die der Anbieter selbst gesetzt hat. Sie ist kein Messwert, sondern ein Preis, und in ihm steckt seine Einschätzung bereits.
Aus den vier Zutaten entsteht eine Einschätzung – nie eine Sicherheit. Einen sicheren Schein gibt es nicht, und der Grund ist unromantisch: Quoten werden nicht hoch, weil ein Ausgang gewiss ist, sondern weil er selten ist.
Damit erledigt sich auch die Vorstellung, Wetten seien ein Einkommen. Der Erwartungswert jedes ausgefüllten Scheins ist negativ, weil in jeder Quote eine Marge für den Veranstalter steckt. Wer ein Jahr lang täglich spielt, kann jeden einzelnen Monat im Plus beenden und das Jahr im Minus. Das ist keine Pechsträhne, sondern die Arithmetik einer Stichprobe, die das Haus bezahlt.
Value Bet: der eine Vorteil, über den der Spieler selbst entscheidet
Eine Value Bet liegt vor, wenn die eigene Einschätzung einer Chance über der Einschätzung steht, die in der Quote steckt. Der Begriff beschreibt keinen Gewinn, sondern eine Meinung über ein Missverhältnis.
Um zu sehen, was eine solche Meinung gegen den Markt kostet, hilft ein Beispiel. Zwei Ausgänge tragen beide eine Quote von 1.90. Der Markt zahlt zusammen weniger aus, als er einnimmt: Pro CHF 1 auf jeden der beiden Ausgänge erhält der Spieler im Erfolgsfall CHF 1.90, gesetzt hat er CHF 2.00. Die Auszahlungsquote liegt damit bei rund 95 %, die Marge des Veranstalters also in einer Band um 5 % – wobei die genaue Zahl davon abhängt, mit welchen Quoten und Gewichtungen die beiden Ausgänge tatsächlich angeboten werden und wie stark ein Favorit in der Quote verschoben ist.
Wer das nüchtern liest, erkennt, dass eine Value Bet nur dann trägt, wenn die eigene Einschätzung deutlich über der des Anbieters liegt. Eine Wette, die nur knapp über seiner Quotenschätzung liegt, verschwindet in der Marge, bevor sie beim Schein ankommt. Und wer gegen den Veranstalter gewinnen will, spielt gegen alle anderen Spieler gleichzeitig. Die Marge ist nicht der Beweis, dass Wetten unlösbar sind, sie ist der Beweis, dass der Vorteil die Ausnahme und nicht die Regel ist.
Dass die Marge über alle Märkte gleich wäre, behauptet niemand, der gerechnet hat. Sie ist auf einem liquiden Hauptmarkt niedriger und auf einem Nischenmarkt höher. Wer fünf schlecht eingeschätzte Scheine mit enger Marge spielt, zahlt am Ende mehr als jemand, der einen einzigen gut eingeschätzten Markt bedient.
Einzelwette, Kombiwette, Systemwette: drei Arten, dasselbe zu verlieren
Die drei Formen unterscheiden sich in einem einzigen Punkt: wie viele Einsätze aus dem Schein werden.
Einzelwette. Eine Voraussage, ein Einsatz, eine Quote. Der mögliche Gewinn beträgt Einsatz mal Quote. Wer CHF 20 auf eine Quote von 2.10 setzt, hat bei Treffer einen Gewinnbetrag von CHF 42.00 vor sich, wovon CHF 22.00 der Nettogewinn sind.
Kombiwette. Mehrere Voraussagen werden zu einer Gesamtquote verbunden, die Einzelquoten multiplizieren sich. Bei Jouez Sport umfasst eine Kombiwette 2 bis 10 Voraussagen. Die Kehrseite liegt auf der Hand: Jede Voraussage kann den ganzen Schein beenden.
Systemwette. Mehrere Voraussagen in einer Struktur, die einzelne Fehler verzeiht – der Sicherheitsgedanke, und gleichzeitig die teuerste Form, weil jeder eingebaute Teilerfolg einen eigenen Einsatz kostet.
Was diese Wahl kostet, steht nicht auf dem Schein. Zwei Voraussagen mit Quoten von 1.90 ergeben eine Gesamtquote von 3.61, das Produkt der beiden Einzelquoten; bei CHF 10 Einsatz sind das CHF 36.10, bevor die Marge greift. Der Einzelschein auf dieselbe Quote verlangt eine andere Einschätzung und liefert eine andere Chance. Der Kombischein vervielfacht nicht die Sicherheit, sondern die Zahl der Dinge, die schiefgehen können.
Wie der Gewinnbetrag technisch entsteht, ist bei Sporttip festgelegt: Einsatz mal Quote, bei Kombinationen mal Gesamtquote, dem Produkt der Einzelquoten, zuerst auf zwei Nachkommastellen aufgerundet und dann auf 5 Rappen genau abgerundet. Die letzte Rundung kostet Rappen. Sie ist trotzdem die einzige Stelle, an der der Veranstalter das Ergebnis des eigenen Scheins bestimmt.
Drei Wege, auf denen ein Schein verliert, ohne falsch getippt zu sein
Es gibt ein Unglück, das nicht vom Ergebnis kommt.
Der erste Weg ist die Absage. Wird ein Sporttip-Wettereignis abgesagt und nicht innert 48 Stunden nach dem ursprünglichen Beginn oder im Rahmen eines Turniers nachgeholt, ist die Wette ungültig. Einzelwetten werden zurückbezahlt. In Kombinationswetten erhält die Voraussage Quote 1.00. Der Schein lebt weiter, aber diese Voraussage trägt nichts mehr bei. Wer auf fünf Treffer spekuliert hat, bekommt vier.
Der zweite Weg ist die Livewette in einer heiklen Sekunde. Bei Sporttip gilt die Livewette unabhängig davon, ob das Ereignis live übertragen wird. Wetten, die nach dem tatsächlichen Eintreffen des Wettausgangs platziert werden, zählen mit Quote 1.00. Und in spielentscheidenden Situationen – Elfmeter, Rote Karte, Videoschiedsrichter-Entscheid – kann Swisslos Wetten mit Quote 1.00 werten. Der Bildschirm zeigt beim Klick eine alte Welt; gewertet wird die neue.
Der dritte Weg ist der verfallene Gewinn. Sporttip-Gewinne, die nicht innerhalb von 26 Wochen nach der öffentlichen Bekanntmachung der Wettauswertung geltend gemacht werden, verfallen zugunsten des Zwecks der Swisslos. Eine Einsprache gegen eine verweigerte Auszahlung ist innert 10 Tagen per eingeschriebenem Brief zu erheben. Ein Gewinn in einem Screenshot ist kein Guthaben, sondern ein Termin.
Cash-Out beim Wettschein: ein Ausstieg mit eingebautem Abschlag
Cash-Out klingt nach Notausgang mit Rückzahlung. Es ist ein Verkauf.
Wer bei Sporttip einen laufenden Schein vorzeitig schliesst, akzeptiert einen Betrag, der tiefer liegt als der mögliche nicht vorzeitige Wettgewinn. Der Betrag hängt vom Stand der Sportereignisse ab und kann von Swisslos jederzeit geändert werden.
Die Bedingungen dazu sind eng: Cash-Out gibt es bei Sporttip für Einzel-, Kombinations- und Langzeitwetten, vor Spielbeginn und live, aber nur bei Online-Wetten und nur als vollständiges Cash-Out ohne Teilauszahlung. Ein ausgeführtes Cash-Out lässt sich nicht rückgängig machen. Eine Garantie für jeden Markt besteht nicht. Wer einen Quoten- oder Profitboost im Schein hat, verliert ihn beim Cash-Out.
Wer live abrechnet, tauscht Unsicherheit gegen einen sicher kleineren Betrag. Das kann richtig sein, wenn die Begründung für die Wette weggebrochen ist. Es rettet aber keine Einschätzung, die von Anfang an falsch war, und es schafft kein Geld.
Der Tagesschein und die Rechnung, die niemand aufmacht
Der verführerische Teil eines Wettscheins für heute ist die Vorstellung, mit einem einzigen Schein alle Voraussagen eines Tages zu bündeln und aus kleinen Einsätzen einen grossen Betrag zu machen. Diese Rechnung multipliziert keine Chance. Sie multipliziert die Abhängigkeiten.
Fünf Spiele in einer Kombi geben jedem der fünf Tipps die Macht, den ganzen Schein zu beenden. Die Wahrscheinlichkeit, dass alle Bedingungen eintreten, ist das Produkt der einzelnen Wahrscheinlichkeiten. Fünf Ereignisse mit je 60 % ergeben zusammen knapp acht Prozent. Die hohe Quote spiegelt genau das – sie ist keine Belohnung für Mut, sondern der Preis für ein seltenes Ereignis.
Das ist kein Argument gegen Kombiwetten. Es ist ein Argument gegen die Annahme, mehr Voraussagen auf einem Schein erhöhten die Trefferwahrscheinlichkeit, weil man sein Wissen mehrfach einsetze. Man setzt seine Sicherheit mehrfach ein. Der Tagesschein bleibt ein Unterhaltungsinstrument; wer ihn als Plan benutzt, verliert nicht an schlechten Tipps, sondern an einer falschen Erwartung an die Struktur.
Morgen ist nicht besser als heute
Die Quote, die heute für morgen angeboten wird, enthält bereits alles Öffentliche – Form, Aufstellungen, Verletzungen. Wer morgen zu lesen anfängt, findet dieselben Informationen in einer Quote vor, die inzwischen nachgezogen wurde. Mehr Zeit bringt keinen Vorteil, nur die Gelegenheit, dieselbe Information später zu finden.
Dasselbe gilt für die grossen Wettbewerbe. Ein Wettschein für die Champions League heute unterscheidet sich von einem für die Europa League nicht in der Mechanik, sondern in der Zahl der angebotenen Märkte. Mehr Märkte bedeuten mehr Auswahl und mehr Gelegenheit, sich auf eine Einschätzung zu konzentrieren, die man tatsächlich begründen kann.
Bei Pferderennen wird es noch deutlicher. Die Quote bewegt sich bis zum Start, weil Geld auf die Pferde fliesst. Wer früh setzt, bekommt eine andere Zahl als der, der kurz vor dem Start setzt, und beide Zahlen spiegeln die Einschätzung anderer Beteiligter. Ein Reitschein ist derselbe Wettbewerb um Information – nur mit vier Beinen.
Nachtippen: der teuerste Weg zu einem fremden Schein
«Wettschein zum Nachtippen» gehört zu den häufigsten Suchanfragen im deutschsprachigen Raum und ist gleichzeitig der zuverlässigste Weg, ohne eigene Einschätzung Geld zu verlieren.
Ein veröffentlichter Tipp ist alt, sobald er erscheint. Ein Schein, der darauf aufbaut, spiegelt die Einschätzung eines Fremden zu einer Quote, die man nicht mehr bekommt. Wichtiger noch: Der Nachtipper kann den Tipp nicht beurteilen, weil er die Ausgangslage nicht gesehen hat. Geht er auf, war es Glück. Geht er auf, aber der Schein nicht, war es ein Tipp, den man selbst nie gewählt hätte.
Dazu kommt die stille Verzerrung jeder Tippquelle: Wer veröffentlicht, zählt Treffer und schweigt über Fehlschläge. Die Quote im Kopf des Veröffentlichenden ist nicht der Quotenschlüssel des Marktes, sondern der Quotenschlüssel der eigenen Erinnerung. Nachtippen heisst, die Statistik eines Fremden zu spielen, die es nie gab.
Mindest- und Höchsteinsatz: Grenzen sind Vertragsbedingungen
Bevor ein Schein überhaupt gespielt wird, setzt der Veranstalter Grenzen, und diese Zahlen sind Vertragsbedingungen, keine Empfehlungen.
Bei Sporttip beträgt der Mindesteinsatz für Einzel- und Kombinationswetten CHF 1. Der Höchsteinsatz für eine Einzel- oder Kombinationswette beträgt CHF 1’000, für eine Systemwette CHF 10’000. Swisslos kann diese Limiten jederzeit ohne Angabe von Gründen ändern, und eine Wette über der Limite wird nicht angenommen.
Für den Spieler ist der Vergleich mit der eigenen Verlustlimite unbequem. Wer sich eine Tageslimite von CHF 200 gesetzt hat, kann die CHF 1’000 nicht ausschöpfen. Umgekehrt gerät jemand mit einer hohen Verlustlimite und einer Systemwette von CHF 10’000 an einem Abend in eine ganz andere Grössenordnung, als ein Einzelschein je zuliesse. Die Höchstgrenze schützt den Anbieter.
Bei Jouez Sport liegt der Höchstgewinn pro Einzel- oder Kombiwette bei CHF 300’000 und für alle Gewinne eines Multiples zusammen bei CHF 1’000’000. Eine Kombiwette umfasst 2 bis 10 Voraussagen, die Quote einer Einzelwette oder die Gesamtquote einer Kombi muss mindestens 1.10 betragen und darf 100’000 nicht übersteigen.
Die Gewinnobergrenze ist die am wenigsten beachtete Zahl des ganzen Systems. Eine Kombi mit zehn Voraussagen kann rechnerisch weit über CHF 1’000’000 ergeben; wer darüber liegt, erhält trotzdem den Maximalbetrag für alle Gewinne eines Multiples zusammen. Der Schein gilt, der Deckel bleibt.
Guthaben einzahlen, Gewinn abholen: wo Geld liegen bleibt
Die Zahlungswege sind der praktische Teil eines Wettscheins, und sie enthalten die einzigen Kommissionen, die der Spieler direkt sieht.
Bei Swisslos lässt sich Spielguthaben per Online-Zahlungsmöglichkeit oder Einzahlungsschein kaufen, mit einem Mindestbetrag von CHF 20. In 30 Tagen sind höchstens CHF 10’000 möglich, und ein Kauf ist nur möglich, solange das Guthaben CHF 9’999 nicht übersteigt. Als Zahlungsart bietet Swisslos unter anderem PostFinance Pay an; die Transaktion wird direkt in der PostFinance App bestätigt.
Die Auszahlung ist der unangenehmere Teil. Swisslos zahlt Spielguthaben innerhalb von 365 Tagen zweimal gratis auf ein auf den eigenen Namen lautendes Schweizer oder Liechtensteiner Bank- oder Postkonto aus. Ab der dritten Auszahlung kann eine Kommission von 3 % belastet werden, die Überweisung erfolgt innert 5 bis 10 Arbeitstagen. Gratisspielguthaben aus Promotionen ist nicht auszahlbar.
Gewinne bis CHF 1’000 pro Spielbestätigungsquittung schreibt Swisslos automatisch dem Wallet gut. Gewinne über CHF 1’000 werden bei bekannter Zahlungsverbindung innert 3 Arbeitstagen auf das Bank- oder Postkonto überwiesen. Wer häufig kleine Beträge abzieht, zahlt ab der dritten Auszahlung eine Kommission, die sich mit einer einzigen grösseren Auszahlung vermeiden lässt. Das ist die einzige Stelle der Zahlungsabwicklung, an der ein Schein wirklich Geld kostet.
Auszahlungen gehen nur an ein auf den Kontoinhaber lautendes Konto. Anonyme Auszahlungen oder Krypto-Zahlungen gibt es im bewilligten Schweizer Wettangebot nicht, und Kredite an Spieler sind ausgeschlossen (Artikel 75 Absatz 1 BGS).
Ein Sporttip-Konto: Registrierung, Vertragsgebiet, Geräte
Vor dem ersten Schein steht die Registrierung. Die Bedingungen für die Online-Teilnahme verlangen mindestens 18 Jahre sowie Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt im Swisslos-Vertragsgebiet. Es darf keine Spielsperre bestehen, und jede Person darf sich nur einmal registrieren. Die Daten werden aus dem hochgeladenen Ausweis ausgelesen und gegen Adress-Datenbanken geprüft.
Das Vertragsgebiet umfasst die Kantone Aargau, Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden, Bern, Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Glarus, Graubünden, Luzern, Nidwalden, Obwalden, St. Gallen, Schaffhausen, Solothurn, Schwyz, Thurgau, Uri, Zug und Zürich sowie den Kanton Tessin und das Fürstentum Liechtenstein. Für die Westschweiz ist Jouez Sport zuständig, mit den Kantonen Freiburg, Genf, Jura, Neuenburg, Waadt und Wallis. Die Adresse entscheidet also über den Veranstalter, nicht der Geschmack, und wer umzieht, kann unter Umständen sein Konto nicht behalten.
Diese Aufteilung hat wenig mit Wettleidenschaft und viel mit Föderalismus zu tun. Für den Leser ist sie trotzdem hart: In einem Kanton ohne Zugang lässt sich das Konto bei der anderen Veranstalterin nicht einfach eröffnen.
Wetten lassen sich online über die Sporttip-Website oder die Sporttip App für iOS und Android abgeben. In der App zusammengestellte Wetten können auch per QR-Code an einer Sporttip Verkaufsstelle gespielt werden – nützlich für alle, die den Schein dort abgeben, wo sie auch sonst hingehen.
Sporttip-Wetten stehen Personen ab 18 Jahren offen; wer jünger ist, ist ausgeschlossen. Wer als Wettkämpfer an einem Wettereignis teilnimmt, darf auf dieses Ereignis nicht wetten. Das ist ein Verbot, dessen Missachtung schon Karrieren beschädigt hat, und es gilt ohne Ausnahme.
Steuerfreibetrag: die Zahl, die fast niemand erreicht
Ein Schweizer Wettschein hat einen steuerlichen Vorteil, der einem ausländischen Schein fehlt.
Gewinne aus bewilligten Schweizer Grossspielen sind bis zum Steuerfreibetrag pro Einzelgewinn einkommenssteuerfrei und werden erst darüber besteuert. Der Bundesfreibetrag liegt ab dem 1. Januar 2026 bei CHF 1’071’000 und lag 2025 bei CHF 1’070’400. Je nach Kanton gilt ein anderer Freibetrag, deshalb steht hier keine kantonale Zahl. Über dem Freibetrag behält der Veranstalter 35 % Verrechnungssteuer ein, die durch die Deklaration des Gewinns in der Steuererklärung zurückgeholt wird.
Ein gewöhnlicher Spieler gewinnt weit unter dieser Grenze. Für ihn heisst das: keine Einkommenssteuer auf den Gewinn und keine Verrechnungssteuer. Eine Schweizer Wettsteuer auf den Einsatz existiert nicht – wer eine nennt, hat das System nicht gelesen.
Bei ausländischen Anbietern sieht es anders aus. Ihre Gewinne unterliegen nicht der Verrechnungssteuer, aber die kantonale Steuerpraxis von Thurgau behandelt Gewinne aus ausländischen Grossspielen als voll steuerbares Einkommen, unabhängig von der Höhe. Aus dem steuerfreien Schweizer Schein wird damit ein Schein, der im Ausland gespielt unter Umständen voll steuerpflichtig ist.
Für verbindliche Auskünfte bleibt der Weg zum Steuerberater oder zur kantonalen Steuerverwaltung. Die Zahlen ändern sich, die Frage nicht.
Wettschein aus dem Ausland: was er an Schutz nicht mitbringt
Eine ausländische Bewilligung – aus Curaçao, Malta, Deutschland oder irgendwo sonst – hat in der Schweiz keine Wirkung (Artikel 4 BGS). Das Veranstalten von Sportwetten ohne Schweizer Bewilligung ist strafbar; bei gewerbsmässigem Betrieb drohen bis zu fünf Jahre (Artikel 130 BGS). Bestraft wird der Spieler nicht, doch Einsätze und Gewinne können in Verfahren gegen den Anbieter eingezogen werden, und es gibt weder Schutz noch Fair-Play-Kontrolle.
Dazu kommt der fehlende Anschluss an das Schweizer Sperrregister. Wer sich bei Swisslos sperrt, sperrt sich bei einem ausländischen Anbieter nicht. Genau diese Bremse fehlt dort.
Die ehrliche Einordnung lautet nicht, ausländisch sei unsicher und schweizerisch sicher. Sie lautet: Eine Schweizer Bewilligung bedeutet vollen Schweizer Schutz – und dafür zwei Veranstalter, eine geschlossene Liste von Sportarten und Märkten, eine Wohnsitzvoraussetzung und eine Identitätsprüfung. Ein Anbieter ohne Bewilligung bedeutet mehr Märkte, weniger Beschränkungen und keine dieser Absicherungen. Was daraus folgt, entscheidet der Leser selbst, und er sollte es bewusst entscheiden.
Überblick: Bewilligungsstatus der Anbieter im Vergleich
| Anbieter | Bewilligungsstatus | Veranstalter oder gemeldete Bewilligung |
|---|---|---|
| Swisslos / Sporttip | Veranstalter- und Spielbewilligung | Interkantonale Landeslotterie Genossenschaft, Sitz Basel |
| Loterie Romande / Jouez Sport | Veranstalter- und Spielbewilligung | Société de la Loterie de la Suisse Romande, Lausanne |
| N1 Bet | Keine Schweizer Bewilligung | nicht feststehend |
| ZotaBet | Keine Schweizer Bewilligung | nicht feststehend |
| WirWetten | Keine Schweizer Bewilligung | nicht feststehend |
| BassBet | Keine Schweizer Bewilligung | nicht feststehend |
| BetLabel | Keine Schweizer Bewilligung | nicht feststehend |
| myBet | Keine Schweizer Bewilligung | nicht feststehend |
| HighFlyBet | Keine Schweizer Bewilligung | nicht feststehend |
| Wettigo | Keine Schweizer Bewilligung | nicht feststehend |
Bemerkenswert an dieser Übersicht ist die Symmetrie in der zweiten Spalte: Die unteren acht Zeilen sind identisch, und das ist keine Abkürzung, sondern die Aussage. Bei einem bewilligten Anbieter steht eine Aufsicht im Hintergrund, bei den übrigen niemand, der in der Schweiz zuständig wäre. Der Unterschied liegt nicht in der Seriosität des Auftretens, sondern darin, wer im Streitfall ansprechbar ist.
Kurzvergleich: Swisslos Sporttip und Loterie Romande Jouez Sport
| Swisslos Sporttip | Loterie Romande Jouez Sport | |
|---|---|---|
| Bewilligung | Veranstalter- und Spielbewilligung, Aufsicht Gespa | Veranstalter- und Spielbewilligung, Aufsicht Gespa |
| Veranstalterin | Interkantonale Landeslotterie Genossenschaft, Sitz Basel | Société de la Loterie de la Suisse Romande, Lausanne |
| Vertragsgebiet | Deutschschweizer Kantone, Tessin, Fürstentum Liechtenstein | Freiburg, Genf, Jura, Neuenburg, Waadt, Wallis |
| Mindesteinsatz | CHF 1 für Einzel- und Kombinationswetten | nicht feststellbar |
| Höchsteinsatz | CHF 1’000 für Einzel- und Kombiwette, CHF 10’000 für Systemwette | nicht feststellbar |
| Höchstgewinn | nicht feststellbar | CHF 300’000 pro Einzel- oder Kombiwette, CHF 1’000’000 pro Multiple |
| Kombinationsgrenzen | Kombiboost ab vier Voraussagen mit je mindestens 1.50 | 2 bis 10 Voraussagen, Gesamtquote 1.10 bis 100’000 |
| Auszahlung | zweimal pro Jahr gratis, danach 3 % möglich, 5 bis 10 Arbeitstage | nicht feststellbar |
Zwei Spalten mit «nicht feststellbar» sehen nach einem Mangel aus und sind in Wahrheit der Punkt: Die beiden Häuser veröffentlichen nicht dieselben Kennzahlen, und wer Sporttip und Jouez Sport nach einem einheitlichen Datenblatt vergleichen will, muss bei jedem von beiden selbst nachsehen. Die Entscheidung hängt ohnehin nicht an einer dieser Zeilen, sondern an der Wohnadresse. Wer in Zürich wohnt, hat keine Wahl; wer in Freiburg wohnt, auch nicht.
Wo ein Wettschein heute wirklich Geld kostet
Marge ist der Preis, den jeder Schein mitbezahlt, und kaum ein Spieler sieht ihn je. Deshalb lohnt der zweite Blick auf die Stellen, an denen er am stärksten zieht.
Zwischen Einzel- und Kombiwette liegt nicht nur eine andere Gewinnrechnung, sondern eine andere Margenstruktur. Eine Kombi mit vier Voraussagen ist aus Sicht des Veranstalters ein Produkt mit vier Chancen, und die Marge jeder einzelnen Quote wandert in die Gesamtquote. Am wohlsten fühlt sich diese Rechnung dort, wo der Spieler sie nicht nachvollziehen kann – auf einem Vierer mit unübersichtlichen Einzelquoten sitzt sie fester als auf einem schlichten 1X2.
Die Aktionen verschieben dieses Bild, statt es zu ändern. Der Kombiboost bei Sporttip gilt nur online, für Prematch, Live und Systemwetten, und verlangt mindestens vier Voraussagen mit Quote von je mindestens 1.50. Der Bonus auf den Nettogewinn beträgt 5 % bei vier, 20 % bei sieben, 40 % bei zehn und 100 % bei fünfzehn solchen Voraussagen; Einsatz und Gewinnerhöhung sind limitiert. Die Staffel liest sich grosszügig und ist eine Rechnung: Die 100 % stehen an einer Stelle, an der fünfzehn Voraussagen zu kombinieren sind. Wer dort ankommt, hat eine Wette gebaut, deren Trefferwahrscheinlichkeit gegen null läuft. Der Bonus wird also genau dann gross, wenn der Gewinn unwahrscheinlich wird – ein Tausch, den die Werbung «bis zu 100 %» nennt und der Reglementstext «limitiert».
Quotenboosts gelten bei Sporttip nur online für Prematch-Einzelwetten auf eine Voraussage. Profitboosts erhöhen den möglichen Nettogewinn eines definierten Sportereignisses um einen angegebenen Prozentsatz. Beide sind pro Wettendem nur einmal nutzbar und in Einsatz und Erhöhung limitiert; bei einem Cash-Out verfällt der Boost. Wer einen Boost nutzt und dann vorzeitig aussteigt, verliert die Erhöhung, für die er die Wette eingegangen ist.
Der Effekt dieser Instrumente auf die Marge: null. Sie machen eine Wette attraktiver, die der Spieler sonst nicht gespielt hätte, und lenken Zusatzeinsätze dorthin, wo die Marge nicht kleiner wird.
Was ein Schein bei einem Anbieter ohne Bewilligung kostet
Wer bei einem Anbieter ohne Schweizer Bewilligung ausfüllt, zahlt nicht nur einen Einsatz. Er tauscht drei Dinge des Schweizer Systems gegen eine breitere Auswahl an Märkten und Quoten.
Der Schein ist nicht im Schweizer Sperrregister gespiegelt. Wer sich bei einem Schweizer Veranstalter sperrt, sperrt sich dort nicht – der praktische Unterschied, der am wenigsten diskutiert und am stärksten spürbar ist.
Ohne Schweizer Rechtsweg werden Streitigkeiten über Auszahlung oder Wertung nicht vor einer Schweizer Stelle ausgetragen. Bei Swisslos ist eine Einsprache gegen eine verweigerte Auszahlung innert 10 Tagen per eingeschriebenem Brief zu erheben; bei einem Anbieter ohne Bewilligung gibt es kein vergleichbares Verfahren.
Dazu kommt die steuerliche Unsicherheit: Nach der kantonalen Steuerpraxis von Thurgau sind Gewinne aus ausländischen Grossspielen voll steuerbares Einkommen. Wer dort gewinnt, hat unter Umständen einen Steuerpflichtigen, wo ein Schweizer Schein steuerfrei geblieben wäre.
Das ist keine moralische, sondern eine strukturelle Differenz. Ein Anbieter ohne Schweizer Bewilligung ist an keine Schweizer Limitenregel, kein Sperrregister und keine Gespa-Liste gebunden. Für den einen Spieler ist das ein Vorteil, für den anderen ein Preis. Wer den Schutzmechanismus schätzt, verliert ihn hier vollständig.
Swisslos Sporttip: das umfangreichste Instrumentarium der Deutschschweiz
Wer in der Deutschschweiz wohnt, findet bei Sporttip ein Angebot, das an Funktionsumfang kaum Lücken lässt. Kombiboost, Quoten- und Profitboosts, Cash-Out über Einzel-, Kombi- und Langzeitwetten und die automatische Gutschrift von Gewinnen bis CHF 1’000 – ein Instrumentarium, das sich mit dem eines grösseren ausländischen Portals messen kann, ohne die Schweizer Bewilligung zu verlieren.
Der Mindesteinsatz von CHF 1 und der Höchsteinsatz von CHF 1’000 pro Einzel- oder Kombiwette sind für den Alltag grosszügig. Wer für CHF 20 einen Kombischein für heute spielt, merkt von den Limiten nichts. Die Grenze von CHF 10’000 für eine Systemwette zeigt dagegen, für wen dieses Produkt gedacht ist.
Interessanter als die Zahlen ist ihre Beweglichkeit: Swisslos kann die Limiten jederzeit ohne Angabe von Gründen ändern, und eine Wette über der Limite wird nicht angenommen. Wer sich auf eine gelesene Zahl verlässt, geht ein Risiko ein, das mit dem Ausgang des Spiels nichts zu tun hat.
Und ein Detail, das bei der Registrierung oft auffällt: Wer im Vertragsgebiet wohnt, aber seinen gewöhnlichen Aufenthalt anderswo hat, muss mit einer Prüfung rechnen. Die Daten werden aus dem hochgeladenen Ausweis ausgelesen.
Loterie Romande Jouez Sport: Westschweizer Veranstalterin mit hohen Gewinnobergrenzen
Jouez Sport ist auf die sechs Westschweizer Kantone zugeschnitten. Die Loterie Romande unterhält dort 2’350 Verkaufsstellen und beschäftigt 221 Mitarbeitende, für ein Territorium dieser Grösse eine beachtliche Präsenz.
Der dokumentierte Faktor mit der grössten praktischen Wirkung ist die Gewinnobergrenze: CHF 300’000 pro Einzel- oder Kombiwette, CHF 1’000’000 für alle Gewinne eines Multiples zusammen. Wer mit einem Multiple über mehrere Spiele auf einen Grossgewinn zielt, trifft auf diese Decke; eine Kombination, die rechnerisch darüber hinausgeht, wird auf den Maximalbetrag gekappt.
Die zweite dokumentierte Grenze betrifft den Bau des Scheins: 2 bis 10 Voraussagen, Gesamtquote mindestens 1.10 und höchstens 100’000. Die untere Grenze schliesst Quoten aus, die kaum etwas versprechen; die obere schliesst Scheine aus, deren möglicher Gewinn ausserhalb des vorgesehenen Rahmens liegt.
Wer in der Westschweiz wohnt, findet hier das Gegenstück zu Sporttip: Schweizer Bewilligung, Anschluss an das Sperrregister, vollständiges Schweizer Reglement. Wer nicht dort wohnt, kann kein Online-Konto eröffnen, und daran ändert keine Quote etwas.
N1 Bet: ohne Schweizer Bewilligung, mit breitem Marktangebot
N1 Bet ist einer der Anbieter ohne Schweizer Bewilligung, die einem Schweizer Spieler begegnen. Nur Swisslos und die Loterie Romande dürfen hier Sportwetten anbieten, und eine ausländische Genehmigung entfaltet in der Schweiz keine Wirkung.
Der Nachteil liegt nicht im Formalen, sondern in dem, was an der Bewilligung hängt: kein Schweizer Sperrregister, kein Schweizer Rechtsweg, und die Domain kann auf die Sperrliste der Gespa gesetzt werden.
Wer dort Guthaben einzahlt, kann die Schweizer Selbstsperre nicht nutzen, um sich den Zugang zu nehmen. Das ist die konkrete Lücke im Schutzmechanismus.
Wer einen Vertrag abschliesst, in dem die Schweizer Aufsicht nicht zuständig ist, prüft die Bedingungen des Anbieters selbst. Genau dort steht, was im Streitfall gilt.
ZotaBet: ohne Schweizer Bewilligung, ohne Schweizer Streitschlichtung
ZotaBet gehört zur Gruppe der ausländischen Anbieter, die dem Schweizer Spieler über Werbung begegnen. Keine Schweizer Bewilligung, kein Anschluss an das nationale Sperrsystem, keine Schweizer Streitschlichtung.
Wer bei ZotaBet spielt, taucht im Schweizer Register nicht auf. Das fällt im Alltag weniger auf als in den Bedingungen: Eine Spielsperre bei Swisslos gilt bei Swisslos, bei der Loterie Romande und in den Casinos – nicht bei einem ausländischen Portal.
Die Domain kann über die Sperrliste der Gespa blockiert werden. Der Zugang kann sich also ohne eigenes Zutun ändern.
WirWetten: ohne Schweizer Bewilligung, mit deutschsprachigem Auftritt
WirWetten ist mit einem deutschsprachigen Auftritt für Deutschschweizer Spieler besonders sichtbar. Eine Schweizer Bewilligung hat das Portal trotzdem nicht.
Der deutschsprachige Auftritt ist das trügerischste Merkmal dieser Gruppe, weil er wie eine Zulassung wirkt. Die Sprache ist aber kein Bewilligungskriterium. Zuständig ist nicht die Gespa, und Schweizer Limiten gelten hier nicht.
Wer dort spielt, verwaltet seine Verlustlimiten über die Kontoeinstellungen des Anbieters statt über ein Schweizer Reglement. Ob und wie diese Einstellungen greifen, steht nicht fest.
BassBet: ohne Schweizer Bewilligung und ohne Schweizer Schutzregeln
BassBet ist ein weiterer Anbieter ohne Schweizer Bewilligung. Das ist nicht nur ein formaler Unterschied: Ohne Bewilligung besteht keine Pflicht, die Schweizer Vorgaben zu Minderjährigen, zu Limiten oder zu Zahlungswegen einzuhalten.
Die Prüfung der Teilnahmeberechtigung liegt damit im Verantwortungsbereich des Anbieters und wird von keiner Schweizer Stelle überprüft.
BetLabel: ohne Schweizer Bewilligung, mit den bekannten Konsequenzen
BetLabel gehört zu den Portalen, die Schweizer Spieler über Werbung erreichen und keine Schweizer Bewilligung besitzen. Die Domain kann auf die Sperrliste der Gespa gesetzt werden.
Wer dort spielt, bekommt einen Wettmarkt, aber keinen Schweizer Schutz. Ein Streit über eine Wette wird mit einem Anbieter ausgetragen, der keiner Schweizer Aufsicht untersteht.
myBet: ohne Schweizer Bewilligung und ohne Schweizer Rechtsweg
myBet besitzt für die Schweiz keine Bewilligung. Der Name führt dabei in die Irre: Er klingt nach einem persönlichen Schweizer Konto, beschreibt aber einen Anbieter ausserhalb des Schweizer Systems.
Bei jedem ausländischen Anbieter entscheidet der Spieler mit, auf welchen Schutzrahmen er sich einlässt. Das ist eine Frage der Rechtsordnung, nicht des Rufs.
HighFlyBet: ohne Schweizer Bewilligung, mit Sperrlisten-Risiko
HighFlyBet zählt zur Gruppe der ausländischen Anbieter, die Schweizer Spielern begegnen. Eine Schweizer Bewilligung fehlt.
Ob eine Domain blockiert wird, entscheidet nicht der Anbieter, sondern die Aufsicht. Wer sein Konto korrekt führt, behält damit trotzdem keinen garantierten Zugang – ein Risiko, das bei einem Schweizer Veranstalter nicht besteht.
Wettigo: ohne Schweizer Bewilligung, ohne Sperrregister-Anschluss
Wettigo ist der letzte der hier genannten Anbieter ohne Schweizer Bewilligung. Auch hier fehlen der Anschluss an das Schweizer Sperrregister und ein Schweizer Rechtsweg.
Wer sich bereits bei Swisslos gesperrt hat, findet dort keine Sperre vor. Sie reicht nicht über die Grenze.
Was für den Leser am Ende übrig bleibt
Der Schweizer Weg ist eng: zwei Veranstalter, eine geschlossene Liste erlaubter Wettarten, Wohnsitzpflicht, Identitätsprüfung. Dafür ein Sperrregister, ein Schweizer Rechtsweg, Schweizer Limitenregeln und ein steuerfreier Gewinn bis zum Freibetrag.
Der Weg über die Grenze ist breiter: mehr Märkte, weniger Beschränkungen, deutschsprachige Oberflächen. Dafür keine Bewilligung, kein Sperrregister, kein Schweizer Rechtsweg, Steuerrisiko nach kantonalem Recht und eine Domain, die jederzeit verschwinden kann.
Wer den Schutz sucht, bleibt bei den zwei Schweizer Veranstaltern. Wer die Auswahl sucht, muss den fehlenden Schutz bewusst in Kauf nehmen – und sollte vorher wissen, dass er ihn in Kauf nimmt.
Häufig gestellte Fragen
Wie wird ein Wettschein für einen einzelnen Spieltag aufgebaut, und worin unterscheiden sich Einzel-, Kombi- und Systemwette?
Ein Tagesschein bündelt die Wetten eines Spieltags. Die Einzelwette hat eine Voraussage und einen Einsatz, die Kombiwette verbindet mehrere zu einer Gesamtquote, die Systemwette verzeiht einzelne Fehler auf Kosten mehrerer Einsätze. Der mögliche Gewinn folgt überall aus Einsatz mal Quote oder Gesamtquote.
Was passiert mit einem Wettschein bei einem Spielabbruch oder einer Absage?
Wird ein Sporttip-Wettereignis abgesagt und nicht innert 48 Stunden nach dem ursprünglichen Beginn oder im Rahmen eines Turniers nachgeholt, ist die Wette ungültig. Einzelwetten werden zurückbezahlt, in Kombinationswetten erhält die Voraussage Quote 1.00. Der übrige Schein bleibt bestehen.
Wie berechnet sich der Gewinn eines Scheins aus Einsatz und Gesamtquote?
Der Gewinnbetrag ergibt sich aus Einsatz mal Quote, bei Kombinationen mal Gesamtquote, dem Produkt der Einzelquoten. Bei Sporttip wird zuerst auf zwei Nachkommastellen aufgerundet und dann auf 5 Rappen genau abgerundet. CHF 20 auf Quote 2.10 ergeben CHF 42.00, davon CHF 22.00 Nettogewinn.
Warum gibt es keinen sicheren Wettschein, und was ist eine Value Bet?
Sicher ist kein Schein, weil die Quote den Ausgang nicht kennt, sondern bepreist. Eine Value Bet liegt vor, wenn die eigene Einschätzung einer Chance höher liegt als die Einschätzung des Anbieters in seiner Quote. Das beschreibt ein Missverhältnis, nicht einen sicheren Gewinn.
Welche Verlustlimiten müssen vor dem ersten Einsatz bei Sporttip gesetzt werden?
Vor der ersten Teilnahme müssen bei Sporttip Verlustlimiten für 1, 7 und 30 Tage gesetzt werden. Die Oberlimite beträgt CHF 9’999, für Personen unter 21 Jahren CHF 1’000. Eine Senkung gilt sofort, eine Erhöhung erst nach 72 Stunden; zusätzlich ist eine freiwillige Einzahlungslimite für 30 Tage möglich.
Wie hoch ist der Höchsteinsatz bei Sporttip und bei Jouez Sport?
Bei Sporttip liegt der Höchsteinsatz bei CHF 1’000 für eine Einzel- oder Kombinationswette und bei CHF 10’000 für eine Systemwette, der Mindesteinsatz bei CHF 1. Bei Jouez Sport sind Mindest- und Höchsteinsatz nicht feststellbar; dort gelten Höchstgewinne von CHF 300’000 pro Einzel- oder Kombiwette und CHF 1’000’000 pro Multiple.
Tipps – dartstippsch.com
Inhalt erstellt vom Team «dartstippsch.com»
